Die Sinfonien Für Freunde des CSO-Klanges – Phillip Ochman – Ulm
Zunächst einige allgemeine Informationen: Alle hier vorliegenden Aufnahmen wurden von Solti mit dem Chicago Symphony Orchestra eingespielt, wobei es sich bei den Sinfonien 5,6,7 und 8 um ADD-Aufnahmen aus den frühen Siebzigern handelt und bei den Sinfonien 1,2,3,4,und 9 um DDD-Aufnahmen aus den frühen Achtzigern. Das Adagio der Zehnten ist hier nicht enthalten, wohl aus dem ganz banalen Grund, weil Solti es nie aufgenommen hat. Bei den Sinfonien 6 und 8 handelt es sich um die legendären Einspielungen aus den Siebzigern , die beide auch auf einzelnen CDs erhältlich sind. Auch die restlichen Sinfonien liegen separat vor, jedoch sind sie nur schwer zu bekommen und dann auch preislich nicht sonderlich attraktiv, wobei man auch anmerken sollte, dass die Aufmachung dieser Edition auch nicht gerade aufwendig ist, da die einzelnen Discs nur in Papierhüllen untergebracht sind. Dafür gibt es aber ein sehr dickes Beiheft mit ausführlichen Texten zu jeder Sinfonie, weshalb man hier letztlich beim Preis absolut nicht meckern kann.
Alle Aufnahmen präsentieren sich in dem für Decca charakteristischen Klang, der keinerlei Rauschen zulässt und alle Orchestergruppen glasklar zur Geltung bringt, jedoch manchmal auch überdigitalisiert und unausgewogen wirkt. Das berühmte Blech des CSO spielt hier wie immer mit messerscharfer Präzision, hat aber auch einen sehr eigenwilligen Klang, den man mögen muss. Solti dirigiert stets mit viel Energie und gnadenloser rhythmischer Dynamik, lässt sich jedoch in langsamen Sätzen oft auch sehr viel Zeit.
Nun im Detail:
Nr.1: Hier handelt es sich um eine herausragende Aufnahme, die besonders auch für Anhänger eines transparenten Orchesterklanges empfehlenswert ist.
Der letzte Satz kommt hier natürlich mit entsprechender Vehemenz angedonnert. Hier gibt es jedoch viele andere gelungene Aufnahmen.
Nr.2: Auch diese Einspielung zählt endeutig zu den besten dieser Sinfonie, obwohl die Sätze 2 und 3 zwischendurch etwas versanden.
Beeindruckend ist vor allem der erste Satz, der hier als toller Orchesterreißer erstrahlt. Das CSO spielt einmalig virtuos. Auch im Finale gelingt ein sehr guter Spagat zwischen klassischer und moderner Interpretationstechnik.
NR.3: Auch hier ist besonders der überlange erste Satz sehr interessant, weil er durch das energische Spiel niemals langatmig wirkt. Soltis Stil ist auch in den Mittelsätzen sehr entgegenkommend, lediglich das Ende des Finales klingt hier zu lapidar und enttäuschend distanziert.
Nr.4: Diese Aufnahme hat leider viel zu wenig Wärme, auch wenn die Interpretation nicht wirklich enttäuscht, jedoch sind auch die Streicher hier zu dünn im Klang. Solistin ist Kiri Te Kenawa.
Nr.5: Auch diese Aufnahme hinterlässt einen kontroversen Eindruck, weil der Klang extrem aufgemöbelt wurde. Die ersten beiden Sätze sind hauptsächlich ein überlautes Geknalle und Gekrache, lediglich das Blech macht die Aufnahme hörenswert. Das Adagietto ist absolut unterkühlt, das Finale wieder besser.
Nr.6: Ausführliche Rezensionen gibt es auf der Seite der Einzelausgabe, diese Einspielung wird man lieben oder hassen.
Nr.7: Leider leidet auch diese Aufnahme an Überdigitalisierung, ansonsten ist sie durchaus annehmbar. Die Mittelsätze haben eher breite Tempi, das Finale beeindruckt durch die Pauken und das Blech. Bernstein ist hier jedoch mit dem New York Philharmomic unschlagbar.
Nr.8: Dies sit die berühmte Aufnahme, die in den Wiener Sofiensälen enstand. Es handelt sich um eine gewaltige, aber niemals überladene Einspielung des Werkes. Die Solisten sind alle herausragend.( Kollo, Popp, Watts, Auger, etc.)
Nr.9: Dies ist vielleicht sogar die beste Aufnahme des Zyklus. Die Tempi passen genau, obwohl der Kopfsatz über 30min erreicht. Das Allegro assai ist perfekt, das Schluss-Adagio ist sehr transparent und überzeugt durch die natürliche Emotionalität.
Fazit: Insgesamt ein guter Mittelweg zwischen Bernstein und Boulez, der mir viel zu analytisch ist, allerdings muss man den Decca-Klang mögen.
Soltis Stil gefällt ebenfalls nicht jedem, passt aber durchaus zu Mahler.
Insgesamt halte ich Bernstein für unübertroffen, dessen Zyklus bei Deutsche Grammophon ist unverzichtbar. Wer Solti nicht unbedingt mag, braucht sich nur die Sinfonien Nr.6,8 und 9 separat zu kaufen.
Die Gesamteinspielung der vollständigen Mahler Sinfonien ohne “Das Lied von der Erde” des Chicago Symphony Orchestras unter Sir Georg Solti wurde in der Vergangenheit immer stark kritisiert, da Solti zu barbarisch, zu roh dirigiere. Bei dieser Betrachtungsweise fällt allerdings immer unter den Tisch, dass Mahlers Sinfonien durchaus rohe, barbarische Elemente bergen und dass Solti durchaus dazu in der Lage ist – und das zeigt sein wundervoller Beethoven Zyklus -, differenziert, feinfühlig und sanft zu dirigieren.
Die erste Sinfonie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Solti sie unprätentiös und schnörkellos zu Gehör bringt. Insbesondere der wunderbare Naturlaut erstrahlt mysteriös und der dritte Satz kann es durchaus mit der Interpretation Bernsteins aufnehmen. Alles in allem eine geniale, zeitgemäße Erste.
Die zweite Sinfonie ist gewiss ausgezeichnet eingespielt, allerdings finde ich, dass Solti es hier nicht ganz vermag, mit Bernsteins oder Klemperers Referenzeinspielung(en) Schritt zu halten. Das Röschen leuchtet zwar rot und der erste Satz ist natürlich majestätisch, aber dass Finale ist mir etwas zu wenig andachtsvoll.
Wunderbar gemeistert liegt die dritte Sinfonie vor: Der erste Satz erweist sich als regelrechtes Frühlingserwachen, wenn Pan majestätisch einzieht. Die rhythmische Variation und das energische Spiel des Orchesters sorgen dafür, dass dieser Satz niemals öde wird trotz seiner Überlänge. Die folgenden beiden Sätze sind ebenso packend inszeniert. Aus Zarathustras Mitternachtslied holt Solti das Maximum heraus; und selbst der beinahe alberne fünfte Satz vermag, zu Tränen zu rühren. Eine tiefgründige, ruhig getragene Interpretation des Finales schließt sich an, die die allgegenwärtige Messlatte Bernstein sogar übertrifft.
Die vierte Sinfonie, die in meinen Augen schwächste Mahler Sinfonie, überzeugt vor allem in ihrem tiefsinnigen vierten Satz. Solti gibt auch diesem Werk die ihm gebührende Zeit und die Solitsin Kiri Te Kenawa leistet einen sehr guten Beitrag zur Rezeption dieser Sinfonie.
Die fünfte Sinfonie, die bekannteste Mahler Sinfonie, ist geradezu brutal interpretiert. Der Trauermarsch des ersten Satzes darf getrost seines Gleichen harren. Auch wenn mir der zweite und der fünfte Satz nicht gefallen, gebe ich zu, dass Solti sie gnadenlos leidenschaftlich interpretiert. Das zarte, facettenreiche Scherzo scheint Solti besonders zu liegen und das Adagietto ist zwar appassioniert und fein, aber niemals mit zu wenig Distanz gespielt, was dem Intermezzo Charakter dieses Satzes gut tut.
Die wuchtige sechste Sinfonie ist interessanterweise diejenige, deren Interpretation Solti am wenigsten gelingt, da er vor allem in den Mittelsätzen zu wenig Genauigkeit und in den Kopfsätzen zu wenig Gewalt walten lässt.
“Lieder der Nacht” ist der Beiname der siebenten Sinfonie und Solti nimmt ihn ernst. Die beiden Nachtmusiken sind voller Abwechslung, Lieblichkeit und Grazie, dass dem Hörer das Herz aufgeht. Die Kopfsätze meistert Solti mit Bravour und das Scherzo macht seiner Satzbezeichnung “Schattenhaft” alle Ehre. Obschon hiermit eine geniale Einspielung vorliegt, bleibt Bernstein bei dieser Sinfonie, besonders im Finale, unangefochten.
Die monströse Achte kann es aber durch und durch mit diesem aufnehmen: Die Anfangsakkorde des “Veni creator spiritus” habe ich selten so intensiv gehört. Der gesamte erste Satz im teils nervigen Dauerforte wird unter Solti nie eintönig. Der instrumentale Beginn des zweiten ist sehr spannend und empfindsam. Goethe hätte sich sicher über diese wundervolle Vertonung der Finalszene seines Faust II gefreut, denn Solti wendet neben Ruhe und Emotion auch Wucht und Majestät an. Eine geniale Achte!
Zu guter letzt die schmerzvolle neunte Sinfonie: Auch wenn sie grundsätzlich in Dur steht, verleiht Solti ihrem ersten und vierten Satz eine derart tiefe Empfindung, Leidenschaft und ein derart tiefes Pathos, dass dem geneigtem Hörer das Hören beinahe vergeht. Die Sinne schwinden auch in den brachialen Binnensätzen, die Soltis Stil sehr entgegenkommen.
Fazit: Auch wenn ich darüber enttäuscht war, dass das Adagio der unvollendeten Zehnten und “Das Lied von der Erde” fehlen, welches selbes ja von Mahler selbst auch als Sinfonie bezeichnet worden ist, und dass die CDs lediglich in billigen Papierhüllen verpackt sind, bleibt festzuhalten, dass Solti einen Meilenstein in der Mahler Interpretation geschafft und geschaffen hat. Der Decca Klang ist wie immer einwandfrei, glasklar und durchsichtig und mit Ausnahme der sechsten Sinfonie ist es Solti gelungen, eine astreine Synthese hinzulegen zwischen Brutalität und Einfühlsamkeit. : SINFONIEN 1-10 GA Die Sinfonien
Thanks To : Free Shpping Epoque Usa http://thecollectiblesreview.com/alejandropietila/








